Wenn Rache nach Schuld schmeckt: Ein modernes Märchen, erzählt aus der Sicht der bösen Königin

Lilith ist eine Fee, im Volksmund auch Hexe genannt. Sie ist eine der Dreizehn, die seitjeher die Welt Pandora in Angst und Schrecken versetzen. Doch sie ist nicht nur irgendeine Fee. Sie ist die Dreizehnte, ein von den Menschen geglaubter Mythos. Sie ist die böse Königin. Und sie will Rache. Von ihren zwölf Schwestern verraten und in einen Turm verbannt, erwacht die böse Königin aus ihrem tausendjährigen Dornröschenschlaf durch den Kuss der wahren Liebe. Doch obwohl die Liebe genau das ist, was sich Lilith immer gewünscht hat, ist ihr Prinz nicht wirklich das, was sie sich vorgestellt hat. Hier wartet die Geschichte mit der ersten überraschenden Wendung, denn Julia Adrians Prinz aus ihrem Debütroman Die Dreizehnte Fee – Erwachen ist nämlich gar nicht so schillernd und furchtlos, wie uns die grimmschen Märchen weiß machen wollen. Nein, er ist ein Feigling und lässt die Geküsste einfach fallen wie eine heiße Kartoffel, als er das Hexenmal an ihrem Arm entdeckt und sie so als eine der gefürchteten Dreizehn outet. Statt sie zur Frau zu nehmen, übergibt er sie dem Hexenjäger, der doch so viel attraktiver ist als der schmierige Prince Charming. Dieser hat es sich selbst zur Aufgabe gemacht, jede einzelne der Dreizehn zu töten, so natürlich auch Lilith. Zwei hat er bereits getötet – bleiben also noch elf. Als sich jedoch herausstellt, dass die einst grausame böse Königin keine Magie mehr besitzt und beinahe menschliche Charakterzüge aufweist, beschließt der Hexenjäger Lilith mitzunehmen und sie als Waffe zu benutzen. Denn wie sich später herausstellt, besitzt sie zwar ihre Magie nicht mehr, aber kann sich im Gegenzug die Magie ihrer Schwestern zu eigen machen und sie gegen sie verwenden. Der Hexenjäger braucht sie also, um die anderen Hexen wie die Eiskönigin, die Rabenmutter und die Meerhexe zu finden und zu töten, und Lilith braucht ihn wiederum, um Vergeltung an ihren Schwestern zu üben. Zunächst ist Rache alles, was die böse Königin antreibt, doch sobald die erste Schwester ihr klägliches Ende findet, suchen sie Schuldgefühle heim und sie beginnt ihr Handeln ehrlich zu hinterfragen. Die Tatsache, dass sie sich verbotenerweise in den Hexenjäger verliebt und ihm immer näherkommt, lässt sie nur weiter an sich zweifeln. Ist sie Lilith oder doch die böse Königin? Kann sie ihren Schwestern vergeben oder ist Vergeltung der einzige Ausweg? Und wenn ja, warum fühlt sie sich so schuldig? Das sind die wesentlichen Fragen, die sowohl die herrlich widersprüchliche Protagonistin, als auch den gefesselten Leser nicht mehr loslassen. Mit Die Dreizehnte Fee – Erwachen ist Julia Adrian ein gelungener Auftakt einer vielversprechenden Fantasy-Trilogie gelungen, bei der man beinahe mit den Bösewichten sympathisiert.



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