„Jedes verdammte Vampirbuch auf dem Markt ist ne scheiß Lovestory.“ – Über Bonnie Eldritchs Versuch, sich von dem Kommerz der Buchbranche nicht verbiegen zu lassen

Bonnie sitzt gemütlich an ihrem Schreibtisch; dem Ort, an dem sie am liebsten schreibt. Voller Stolz trägt sie einen kitschigen Weihnachtspullover, obwohl die Feiertage längst vorbei sind. Gelegentlich nippt sie an ihrer mit schwarzem Kaffee gefüllten Tasse, auf der „Queen of Ghosting“ geschrieben steht – zumindest, wenn sie nicht damit beschäftigt ist, die feuerroten Haarsträhnen ihres geraden Ponys zu richten. Im Hintergrund raufen sich Azrael und Crowley, die schwarzen Kater der selbsternannten Hexe, während wir per Discord telefonieren.

Bonnie Eldritch ist 24 Jahre alt, wohnt in Bremen und ist neben der Arbeit an ihrem Debütroman zurzeit auf der Suche nach einer Ausbildung als Bestatterin. Eigentlich heißt sie Samantha John, doch da die deutsche Bevölkerung es aus ihr unerfindlichen Gründen einfach nicht zu schaffen vermag, ihren Namen richtig auszusprechen, kann sie ihn nicht sonderlich gut leiden. Den Vornamen Bonnie mag sie jedoch schon seit Kindertagen, weswegen sie ihn bereits im Teenageralter als Nickname im Internet verwendete. Heute schreibt sie unter dem Pseudonym Bonnie Eldritch, was so viel wie „gespenstisch“ bedeutet und somit gut zu ihrem Genre passt, denn Bonnie schreibt am liebsten mysteriöse Dark Fantasy Geschichten – und das schon seit sie 15 ist. So umfasst auch ihr Erstlingswerk Children of the Dark – Verschwunden, das den ersten Teil ihrer Urban Fantasy-Trilogie verkörpert, nicht nur verschiedene Arten von Vampiren und eine düstere Atmosphäre, sondern auch die zentrale Frage nach Menschlichkeit, die sich die 25-jährige Protagonistin Khatira Mansoor immer wieder stellen muss.

 

Inhalt: „Als ihre beste und einzige Freundin Leslie vom Erdboden verschwindet, setzt Kat alles daran, sie mit allen Mitteln wiederzufinden und stolpert dabei im sonnigen San Jóse zufällig in die Welt der Vampire.“

 

Die Idee zu ihrem „Buchbaby“, wie Bonnie es gerne nennt, kam ihr dabei im Alter von zarten 15 Jahren, als sie anfing das Videospiel Vampire: The Masquerade – Bloodlines zu spielen. Mit 17 pausierte sie die Arbeit an ihrem Debütroman jedoch, bis sie vier Jahre später mit dem Überarbeiten der Geschichte begann, da sie erkannt hatte, dass die Story zu viele originale Elemente des Spiels enthielt und so nie veröffentlicht werden könnte. „Ich war dann erst mal richtig pissed, dass ich das nicht so machen konnte und fand das richtig doof. Dabei fand ich das so gut, was ich geschrieben hab. Ich fand mich so toll, wie die beste Autorin vong Welt. Weißte: 17-jährige Sam, beste Autorin vong Welt “, scherzt sie über sich selbst. Die einstige Rohfassung ihres Teenie-Ichs unterscheidet sich dabei vollkommen von der heutigen Version. „Es war kitschig, die Charaktere waren nicht ausgearbeitet… es war einfach richtig schrecklich. Ich wollte nur über Kat und Donnie und ihre Liebesgeschichte schreiben. Und genau das ist es, was ich heute absolut nicht mag. Jede Geschichte in der Verlagswelt ist heutzutage Liebe. Und jedes Mal geht es nur darum, dass der Boy und das Girl zusammenkommen. Das ist der treibende Punkt – selbst in Fantasy-Geschichten. Das sind dann aber keine Fantasy-Geschichten mehr, sondern Romantasy-Geschichten. Und genau das möchte ich besser machen mit Children of the Dark“, erklärt Bonnie enthusiastisch. „Ich möchte eine Geschichte schreiben, wo der Fokus nicht auf der Liebe liegt, sondern auf Freundschaft. Denn jedes verdammte Vampirbuch auf dem Markt, wirklich jedes verdammte Vampirbuch, ist ne scheiß Lovestory.“

 

„Children of the Dark ist mein Baby, deshalb soll es genauso werden, wie ich es möchte.“

 

Bei einem Verlag eingereicht hat Bonnie ihr Debütwerk jedoch noch nicht – und das hat einen triftigen Grund: „Children of the Dark ist mein Baby, deshalb soll es genauso werden, wie ich es möchte. Und deswegen hatte ich immer Angst, es bei einem Verlag einzuschicken. Ich hatte Angst, dass wenn ich es einschicke, mir der Lektor um die Ecke kommt und sagt: `Ja aber schau mal, Donnie ist ein geiler Boy und Kat ist ein Girl. Wie wäre es denn, wenn sie sich sofort von Anfang an in ihn verliebt?`“ Dabei ist Bonnies Angst gar nicht mal so unberechtigt, denn ihre befreundeten Autoren und Kollegen aus der Verlagsbranche können ihr diese Annahmen aus erster Hand bestätigen. Sie selbst erfuhr im Oktober 2018 am eigenen Leib, wie die Verlagsbranche funktioniert, als sie beim Schreibwettbewerb des Carlsen Labels Dark Diamonds den 4. bzw. 5. Platz belegte. Bonnie freut sich zwar für die ihrer Meinung nach verdiente 1. Platzierte, jedoch glaubt sie, dass Bayou Priestess, ihre Geschichte über eine afroamerikanische Voodoo-Hexe in New Orleans, einfach zu tiefgründig für einen Romantasy-Verlag wie Dark Diamonds war. Trotzdem möchte sie sich nicht verbiegen lassen und ihren Prinzipien treu bleiben: „Ich bin nicht traurig darüber, dass Bayou Priestess es nicht geschafft hat, da ich es nicht einsehe, ein komplexes Thema wie Voodoo zu nehmen und derartig zu zerhackstückeln, dass es in die typische Einkaufstüte passt. Das ist nicht das, was ich möchte. Das ist nicht das, wofür ich stehe und wofür ich als Autorin stehen möchte. Und gerade mit meinem Debütwerk möchte ich nicht, dass der weiße Boy auf das weiße Girl trifft, einer von ihnen ein Monster ist und die beiden sich sofort ineinander verlieben.“ Doch trotz Bonnies Angst, dass ihr Buchbaby, das sie bereits seit 10 Jahren begleitet, verschandelt wird, möchte sie im kommenden Jahr versuchen, ihr Erstlingswerk bei einem Verlag ihres Vertrauens unter Vertrag zu bringen. Sollte dies nicht funktionieren, ist das Selfpublishing für sie eine attraktive Alternative.

 

Ihr findet Bonnie auch auf Instagram.



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