„Ich lese eine Geschichte und kann sofort beurteilen, ob sie andere fesseln wird oder nicht.“ Sascha Eichelbergs Weg vom Gamedesigner zum Buchverleger

 

 

Den Laptop auf seinem Schoß ruhend, liegt Sascha in seinem Bett. Ein blaues Headset thront auf seinem Kopf, während er zufrieden in die Kamera lächelt. Seine Tochter und sein Sohn kuscheln sich innig an ihn, während ich mit ihm per Skype telefoniere. Er und seine beiden Kinder sind erkältet – deswegen gönnen sie sich alle zusammen ausnahmsweise einen Tag der Ruhe. Diese ruhigen, harmonischen Momente mit der Familie sind in Wahrheit jedoch nur rar gesät.

 

„Das Verlagswesen ist erstaunlicherweise sehr nah am Gamedesign dran.“

 

Sascha Eichelberg ist 30 Jahre alt und wohnt in Berlin Spandau. Er hat eine liebende Frau, zwei wundervolle Kinder im Alter von 6 und 4 Jahren und einen schwarzen Labrador namens Bond. Zusammen wohnen sie in einem großen Haus, welches ihm zur gleichen Zeit als Zuhause und Arbeitsplatz dient. Sascha ist nämlich selbstständig und arbeitet die meiste Zeit in seinem ausgebauten Keller. Seit kurzem ist er der alleinige Inhaber des Talawah-Verlags, der 2015 von Norman Doderer gegründet wurde. Zuvor hatte Sascha den Newcomer-Verlag, welcher mittlerweile von Fantasy bis Krimi sämtliche Genres abdeckt, anderthalb Jahre lang zusammen mit Norman geführt, bis dieser aus privaten Gründen den Verlag vor wenigen Monaten verließ. Dabei kommt Sascha ursprünglich gar nicht aus der Buchbranche, denn anstelle von Literaturwissenschaften studierte er jahrelang Gamedesign. „Gamedesign ist eigentlich viel mehr als nur Computerspiele zu produzieren, auch wenn der Schwerpunkt heutzutage natürlich auf den Medien liegt“, erklärt er wild gestikulierend. „Ich könnte aber theoretisch auch Brettspiele machen, oder Kartenspiele, oder sogar Sportspiele für den Unterricht“. Doch auch wenn das Entwickeln von Computerspielen bis heute sein Traumjob ist, so ergab sich für ihn nie die Gelegenheit, gegen Entgelt als Gamedesigner zu arbeiten. „Die meisten Entwicklerstudios sind über die ganze Welt verteilt und man muss alle paar Jahre das Land wechseln, da die Studios die Designer und Entwickler immer nur für den Produktionszeitraum des jeweiligen Spiels anheuern. Und wie wir schon festgestellt haben, habe ich zwei Kinder – da wollten meine Frau und ich ihnen nicht zumuten, immer wieder und vor allem in fremdsprachige Länder umziehen zu müssen“, erzählt Sascha, während er sich nachdenklich durch seinen kaffeebraunen Drei-Tage-Bart fährt. „Also musste ich mich nach dem Studium umorientieren und habe mich extra nach Tätigkeitsfeldern umgeschaut, die der Gamingbranche ähneln. Und erstaunlicherweise ist das Verlagswesen sehr nah am Gamedesign dran.“ Aus diesem Grund sei ihm der Einstieg in die Buchbranche nicht wirklich schwergefallen, sagt er. „90% meiner Arbeitszeit verbringe ich damit, Manuskripte zu lesen und sie zu bewerten. Wie man eine Story so erzählt, dass der Leser regelrecht süchtig danach wird, habe ich ja schon im Studium gelernt. Ich lese also eine Geschichte und kann sofort beurteilen, ob sie die anderen fesseln wird oder nicht. Die bürokratischen Abläufe im Verlag musste ich aber natürlich noch lernen.“

 

„Zurzeit arbeite ich 14 Stunden am Tag.“

 

Bereits 2013 lernte Sascha Norman Doderer kennen, als er auf der Unicon in Kiel sein erstes, selbstveröffentlichtes Buch auf der Convention anpries. Zwei Jahre später gründete er den Verlag. Die Anfänge vom Talawah verliefen recht gut, bis Sascha letztes Jahr Norman wiedertraf und er erfuhr, dass es dem Verlag aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht gut ging. Sascha erinnert sich daran, als wäre es gestern gewesen. Er sagte so etwas wie: „Hey, das trifft sich gut! Zeit und Geld habe ich gerade zufällig zur Verfügung. Wenn du willst, dann steig ich ein und zusammen wuppen wir den Verlag.“ Nun führt er den Talawah-Verlag ganz allein und ist zufrieden damit. Er genießt es, sein eigener Herr zu sein und das Unternehmen so zu führen, wie er es für richtig hält. Seine dunkelbraunen Augen funkeln verzückt, während er über den Verlag und dessen Zukunftspläne spricht. Er plant viel für die kommenden Jahre, wozu unter anderem die Produktion von Hörbüchern und die Expansion ins Ausland gehören. Am wichtigsten ist ihm aber, dass der Verlag größer wird und sein Sortiment erweitert. Sascha ist jedoch optimistisch, da der Talawah-Verlag sich bereits seit September 2018 selbst trägt und er von den Einnahmen seine große Familie, die ihm ungeheuer wichtig ist, gut durchfüttern kann. Viel Zeit für sie hat er jedoch nicht. „Zurzeit arbeite ich 14 Stunden am Tag. Wirklich frei habe ich eigentlich nie“, verrät er mir. Doch trotz der vielen Arbeit, die er in den Verlag steckt, liebt er seinen Job als Verleger und könnte sich zurzeit nichts anderes vorstellen. Seine Leidenschaft fürs Gamedesign wird er aber wohl nie aufgeben – und das ist auch gut so.



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