Mein Studentendasein und warum ich eigentlich nie studieren wollte

 

Von der Ausbildung zum Studium.

Ja, ihr habt die Überschrift dieses  kleinen Blogbeitrags richtig gelesen. Die Person, die gerade ihren Bachelor gemacht hat und im Oktober sogar noch einen Master anfängt, hatte eigentlich nie vor, irgendwann einmal zu studieren. Ich war während des Abiturs gefühlt die Einzige, die immer gesagt hat „Ich werde niemals studieren, ich mache lieber eine Ausbildung„. Ich bin nie gerne zur Schule gegangen und konnte mir deswegen bei bestem Willen nicht vorstellen, dass Studieren etwas für mich ist. Die Vorstellung, noch mehr lernen zu müssen, hat mich vor  drei Jahren einfach nur total abgeschreckt. Tja, und seht mal, wo ich jetzt bin. 😀

Seit ich 11 oder 12 Jahre alt war, ist es mein größter Wunsch, eines Tages in einem Verlag zu arbeiten, im  Idealfall als Lektorin. Da ich aber auf gar keinen Fall studieren wollte, habe ich mich also ein Jahr vor meinem Schulabschluss nach potenziellen Ausbildungsplätzen umgeschaut. Zur Auswahl standen Buchhändlerin und Medienkauffrau Digital & Print. Die Arbeit im Einzelhandel hat mich noch nie sonderlich angesprochen, zumindest nicht als  Hauptberuf, weswegen für mich also nur noch die Ausbildung als Medienkauffrau in Frage kam. Insgesamt habe ich mich bestimmt auf über 20 Stellen beworben und wurde zu maximal 5 Vorstellungsgesprächen eingeladen. Letztendlich erhielt ich aber nur von  einem  einzigen Arbeitgeber eine Zusage, die ich dann aber doch ablehnte, da mich das Unternehmen im Nachhinein nicht begeistern konnte.

Da stand ich also: Eine frisch gebackene Abiturientin, mit einer 5 in Mathe auf dem Zeugnis und einem Notenschnitt von 2,8, ohne Ausbildungsplatz. Ich hatte eigentlich wirklich keine Lust auf ein Studium, andererseits wollte ich aber auch keine Lücke im Lebenslauf haben, weswegen ich mich letztendlich doch noch dazu entschied,  für einen Studienplatz zu bewerben. Die Option, es im Folgejahr noch einmal mit einer Ausbildung zu probieren, hielt ich mir natürlich offen.

Mit dem Ziel im  Hinterkopf, eines Tages in der Verlagswelt zu arbeiten, stand für mich von Anfang an  fest, dass wenn ich schon studieren musste, auch irgendetwas mit Germanistik  studieren würde. An den Unis in meiner  Nähe konnte man Germanistik damals aber nicht mehr alleine studieren, sondern nur im Zwei-Fach-Bachelor mit einem anderen Fach. Da ich mir bereits dachte, dass Germanistik ein total trockenes Studienfach ist, wollte ich es auf keinen Fall im Hauptfach haben. Also habe ich mich nach anderen Fächern umgeschaut und bin schließlich auf ein Fach gestießen, was mich total interessiert hat: Japanologie. Seit meiner Pubertät hatte ich ein großes Interesse an Anime und Manga und  ich konnte mir auch gut vorstellen, irgendwann vielleicht einmal in einem deutschen Mangaverlag zu arbeiten, weswegen ich mich für Japanologie als Hauptfach und Germanistik als Ergänzungsfach an drei verschiedenen Unis in meiner Umgebung bewarb. An der Uni Köln wurde ich aufgrund meines NCs abgelehnt und in Bonn gab es ein kleines Missverständniss, sodass ich letztendlich nur eine Zusage der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf erhielt. Der Gedanke, drei Jahre immer von Köln nach Düsseldorf pendeln zu müssen, widerstrebte mir sehr, aber ich gab dem Ganzen trotzdem eine  Chance. Und ich habe es nicht bereut.

Mein Bachelor in Modernes Japan und Germanistik.

Ich werde niemals meinen ersten Tag im Bachelor vergessen. Ihr müsst wissen, Modernes Japan ist ein kleiner Studiengang, wo man vier Semester lang jeden Tag Japanisch-Sprachkurs hat. Die Gruppen  bestehen aus  ungefähr 30 Studenten, sodass man eher  das Gefühl hat, in  einem Klassenraum zu sitzen, als in einer Uni. Tatsächlich war aber genau diese angenehme, familiäre Schulklassen-Atmosphäre, was mir gleich zu Beginn gefallen hat.

Ich saß also an meinem  Platz  und kannte absolut niemandem. Die Meisten dort hatten bereits Vorkenntnisse in Japanisch, während ich von 0 anfangen musste. Direkt in der ersten Stunde wurde das erste Alphabet, die Hiragana, ausgepackt und es wurde erwartet, dass man sie spätestens nach  der ersten Woche konnte, denn direkt danach sollte das 2. Alphabet,  die Katakana, und die chinesischen Schriftzeichen, die Kanji, von denen wir in 2 Jahren 800 lernen sollten, folgen. Ihr könnt euch sicher vorstellen: Ich, die kleine  Meli, die noch nie in ihrem Leben etwas mit der japanischen Sprache zu tun gehabt hatte, sollte also jetzt in kürzester all dieses Zeug lernen. Ich fühlte mich, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen werden.  „Ach du Scheiße, wo bin ich hier nur hineingeraten?“, war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss. Gleichzeitig wurde aber auch mein Ehrgeiz geweckt und tatsächlich, nach meinem ersten Tag setzte ich mich zu Hause hin und schrieb über mehrere Stunden dieses verdammte Alphabet auf und ab, bis  ich es im Schlaf konnte. Dasselbe tat ich dann eine Woche später mit dem 2.  Alphabet und schon konnte ich einigermaßen Japanisch schreiben.

Wir hatten aber natürlich nicht nur Japanisch-Kurse, sondern lernten auch viel über die japanische Kultur, Gesellschaft und Geschichte. Die  hardcore Anime-Fans, die zum Fremdschämen aller sogar im Cosplay in die Uni kamen und die Modernes Japan nur wegen ihrer Manga-Liebe studieren wollten, wurden direkt im ersten Semester ausgesiebt. Ich selbst entwickelte großes Interesse an Japan, aber vor allem an der japanischen Gesellschaft. So spezialsierte ich mich im Laufe meines Studiums auf soziologische Themen und schrieb sogar über eines meine Bachelorarbeit. Auch wurden mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Glaubt mir also: Japan ist wirklich nicht so toll, wie man hier im Westen immer  glaubt. Klar, die Populärkultur ist grandios  und zum  Urlaubmachen  ist es dort bestimmt auch sehr schön, aber nicht zum leben oder arbeiten. Zumindest ist das meine Meinung.

Germanistik hat mir leider, wie von Anfang an befürchtet, nicht einmal ansatzweise so viel Spaß gemacht, wie Modernes Japan. Sprachwissenschaft war zum Kotzen, genauso wie Literaturwissenschaft. Mediävistik war eigentlich das Einzige, was mir in Germanistik wirklich gefallen hat. Und ich bin ganz ehrlich: Hätte mir Modernes Japan nicht  so viel Freude gemacht,  dann hätte ich das Studium auch abgebrochen und hätte es doch noch einmal mit einer Ausbildung probiert. Aber zum Glück kam alles anders und jetzt, drei Jahre später, bin ich fertig mit dem Bachelor. 🙂

Wie es weiterging.

Ich war zu Beginn wirklich mit mir am ringen, ob ich nun auch noch einen Master machen möchte oder nicht. Zuerst war der Plan, mich nach dem Bachelor um einen Job zu bemühen und vielleicht später  irgendwann noch den Master  zu machen. Dann wiederum dachte ich mir: „Verdammt Meli, du bist 21 Jahre alt und verflucht jung, also mach den Master gefälligst!“

Ich war glaube ich im dritten Semester, als ich mich nach potenziellen Masterstudiengängen umgeschaut habe. Ein Master in Germanistik kam für mich von Anfang an nicht in Frage, da dieses Fach vielleicht für meinen Lebenslauf, aber nicht für mich persönlich das Richtige war. Auch in Modernes Japan kam ein Master für mich nicht in Frage. In den ersten beiden Semestern war ich in Japanisch zwar richtig gut, im dritten und vierten aber leider nicht mehr. Ich blieb realistisch und erkannte, dass ich den Japanisch-Sprachkurs im Master vermutlich nicht schaffen würde. Auch wollte ich etwas machen, dass mehr mit meinen beruflichen Zielen zusammenhängt und vielleicht auch einen  gewissen Praxisanteil besitzt. Die Auswahl in Köln und Umgebung ist da aber leider nicht sonderlich groß.

Ich fand einen Masterstudiengang in Essen, der vom Angebot her für mich im Nachhinein aber eher mittelmäßig war. Außerdem wollte ich keine weiteren zwei Jahre pendeln müssen, sodass ich mir den Studiengang nur für den Notfall offenhielt. Der Studiengang an der Uni Köln sprach mich widerum sehr an. Ich setzte also all meine Hoffnungen in diese eine Möglichkeit und hoffte, auch angenommen  zu werden. Am 16. August bekam ich dann schließlich die Absage, aus Gründen, die mir nach wie vor nicht wirkilch ersichtlich sind, aber ich habe damit abgeschlossen. Kurzfristig musste ich also komplett umdenken, denn ich wusste, dass man mich „nur“ mit einem Bachelor nirgendwo einstellen würde. Mein Freund stieß dann zufällig auf einen Journalismus-Master hier in Köln, der jedoch nur an einer Privaten angeboten wurde.

Ich habe noch nie auch nur in Erwägung gezogen, an einer Privatuni zu studieren, da der Spaß natürlich sehr teuer ist. Ich gebe zu, allein wegen der hohen Gebühren war ich anfangs total abgeschreckt, aber ich beschloss, es trotzdem einfach einmal zu probieren und bewarb mich. Kurz darauf wurde ich direkt zum Aufnahmegespräch eingeladen. Und Leute, ich sage euch: Ich habe mich direkt in die Uni und den Studiengang verliebt, als ich dort war. Klar, die 670 Euro, die man monatlich bezahlen muss, sind verdammt viel, doch zum Glück habe ich die Möglichkeit mit Unterstützung, Bafög und Nebenjob es mir irgendwie zu finanzieren.

Mittlerweile  kann ich sogar so weit gehen zu sagen, dass ich tatsächlich irgendwie  froh bin, dass mich die Uni Köln abgelehnt hat, denn ansonsten hätte ich den einfachsten Weg gewählt und wäre niemals an diese besondere Möglichkeit gekommen. Sicher, es wird hart werden, aber daran werde ich wachsen, so wie ich in den letzten drei Jahren an den Hürden meines Bachelors gewachsen bin.

Was will ich euch eigentlich damit sagen? Nur weil sich eine Tür schließt, heißt es nicht, dass es keine anderen, vielleicht sogar besseren Optionen gibt! 

Danke fürs Durchlesen. Alles Liebe,

Eure Meli

 

 

 



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